Künstliche Intelligenz (KI)

Chancen und Möglichkeiten

Mittwoch, 27. Mai 2026  9:45 bis 12:30

Bildungshaus Batschuns/Referentin Mag.a Edith Simöl

 

Im Rahmen des Halbtagsseminars hielt Mag.a Edith Simöl einen Vortrag mit dem Titel „Künstliche Intelligenz – Chancen und Möglichkeiten“. Der Vortragssaal im Bildungshaus Batschuns war vollbesetzt und 100 Seniorinnen und Senioren verfolgten mit Begeisterung dem Vortrag. Die Präsentation beschäftigte sich mit den Chancen, Herausforderungen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere im Hinblick auf digitale Teilhabe von älteren Menschen.

Edith Simöl betonte, dass KI nicht nur ein technisches Thema ist, sondern zunehmend alle Lebensbereiche beeinflusst und daher auch gesellschaftlich und ethisch diskutiert werden muss. Besonders wichtig sei es, Menschen aller Altersgruppen und mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die digitale Entwicklung einzubeziehen.

Die positiven Möglichkeiten von KI wurden hervorgehoben. KI-Technologien können wesentlich zur Barrierefreiheit und Selbstständigkeit im Alter beitragen. Beispielsweise unterstützen Anwendungen sehbehinderte Menschen durch automatische Bildbeschreibungen oder Vorlesefunktionen. Für hörbehinderte Personen ermöglichen automatische Untertitel und Übersetzungen einen besseren Zugang zu Informationen. Auch ältere Menschen profitieren von Sprachsteuerungen und digitalen Assistenzsystemen, die den Alltag erleichtern und selbstständiges Leben fördern können.

Lernsysteme ermöglichen individualisierte Lernangebote und können Inhalte an das jeweilige Wissensniveau anpassen. Dadurch eröffnen sich neue Chancen für lebenslanges Lernen und einen breiteren Zugang zu Bildung. Gleichzeitig bieten KI-Anwendungen Potenziale in weiteren Bereichen wie Gesundheit, Kultur und Haushalt (smart home).

Neben den Chancen widmete sich die Präsentation den Risiken und Herausforderungen von KI. Ein wesentliches Problem besteht darin, dass KI-Systeme bestehende Vorurteile aus ihren Trainingsdaten übernehmen können. Dies kann zu Diskriminierung und Benachteiligung bestimmter Gruppen führen. Ebenso wurden Datenschutzfragen und der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten thematisiert.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der zunehmenden Verbreitung von Deepfakes und KI-gestützten Manipulationen. Edith Simöl erläuterte verschiedene Formen digitaler Täuschung, darunter manipulierte Videos, künstlich erzeugte Stimmen sowie sogenannte Face-Swap- und Lipsync-Technologien. Diese Entwicklungen stellen eine Herausforderung für Medienkompetenz und Vertrauensbildung dar und verdeutlichen die Notwendigkeit kritischen Denkens im digitalen Raum.Formularbeginn

Im Vortrag wurde außerdem darauf hingewiesen, dass eine übermäßige Abhängigkeit von KI-Systemen die Eigenständigkeit und das kritische Urteilsvermögen von Menschen beeinträchtigen kann. Deshalb sei es wichtig, technologische Entwicklungen stets kritisch zu reflektieren und bewusst einzusetzen.

Die Referentin ging auf aktuelle generative KI-Modelle ein. Der Markt ist sehr dynamisch und wird derzeit von einigen globalen Hauptakteuren geprägt. Zu den bekanntesten Modellen zählen:

• ChatGPT (OpenAI): Der weltweit meistgenutzte KI-Chatbot. Er ist vielseitig einsetzbar, besonders stark bei Texterstellung, Programmierung sowie bei Funktionen wie Bildgenerierung und Websuche.

• Claude (Anthropic): Bekannt für seinen starken Fokus auf Sicherheit („Constitutional AI“) und ein besonders großes Kontextfenster. Dadurch eignet sich Claude hervorragend für die Analyse und Zusammenfassung umfangreicher Dokumente.

• Google Gemini: Tief in das Google-Ökosystem integriert und besonders leistungsfähig bei multimodalen Anwendungen, also der Verarbeitung von Text, Bild, Audio und Video. Die Modelle sind in unterschiedlichen Größen verfügbar – von „Nano“ bis „Ultra“.

• Perplexity: Ein auf Recherche spezialisierter KI-Assistent, der als intelligente Suchmaschine fungiert. Antworten werden direkt zusammengefasst und mit konkreten Quellenangaben und Weblinks ergänzt.

• Le Chat (Mistral AI): Eine europäische KI-Alternative aus Frankreich, die besonders für Unternehmen interessant ist, die Wert auf europäische Datenschutzstandards legen.

• Copilot (Microsoft): Basierend auf der Technologie von OpenAI (GPT-4) und direkt in Windows sowie Microsoft-365-Anwendungen integriert.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags waren sogenannte KI-Agenten (AI Agents). Dabei handelt es sich um eigenständige Softwareprogramme auf Basis künstlicher Intelligenz. Sie erhalten ein Ziel und können mehrteilige Aufgaben selbstständig planen und ausführen, indem sie Werkzeuge nutzen und auf Daten zugreifen. Im Unterschied zu klassischen Chatbots handeln KI-Agenten aktiv und autonom, anstatt lediglich auf Fragen zu antworten.

Abschließend betonte Edith Simöl die große Bedeutung digitaler Kompetenzen. Um aktiv an der digitalen Gesellschaft teilnehmen zu können, benötigen Menschen Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien, Daten und KI-Anwendungen. Dazu gehören Medienkompetenz, Quellenkritik, Datenschutzwissen sowie ein grundlegendes Verständnis darüber, wie künstliche Intelligenz funktioniert (Prompting und Bedienwissen). Ziel müsse es sein, Menschen zu befähigen, KI verantwortungsvoll, kritisch und selbstbestimmt zu nutzen.

Ergänzend wurde auf die umfangreiche Materialsammlung der Website digitaleseniorinnen.at hingewiesen. Dort finden Interessierte zahlreiche Informationen, praxisnahe Anleitungen, Lernunterlagen und weiterführende Links rund um Digitalisierung, Internetnutzung, Sicherheit im Netz sowie den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz.

 

Monika Lindermayr

Team ALTER-nativ