Exkursion

Memmingen und Ochsenhausen

Dienstag, 21. April 2026

 

 

„So nah – so unbekannt. Tagesfahrt nach Memmingen & Ochsenhausen“

Die Stadt Memmingen, insbesondere die zauberhafte Altstadt um den Marktplatz und die Kirche St. Martin, ist vielen Menschen hierzulande praktisch unbekannt; der Weg führt häufig an ihr vorbei über das Autobahnkreuz nach München oder zum Flughafen. Dabei hat sie durch die „Zwölf Artikel“ aus dem Jahr 1525 besondere Bedeutung erlangt, gelten diese doch als sehr frühe Formulierung der Menschen- und Freiheitsrechte aus der Zeit der Bauernkriege. Daher darf sich Memmingen auch als „Stadt der Freiheitsrechte“ bezeichnen. Zudem kann sie eine gewachsene historische Altstadt vorweisen.

In einer ausgiebigen Stadtführung wurden uns die Hauptsehenswürdigkeiten wie auch malerische Winkel am Stadtbach nähergebracht: das markante Rathaus aus der Zeit der Renaissance, das dominierende „Steuerhaus“ und die Zunftbauten oder der versteckt gelegene mittelalterliche „Hexenturm“. Die gotische evangelisch-lutherische Kirche St. Martin war im 16. Jahrhundert der Ausgangspunkt für die Ausbreitung des Protestantismus in Süddeutschland. In diesem Viertel kann auch das vorbildlich renovierte Antonierhaus, ein Sanatorium/Hospiz aus dem Mittelalter, besucht werden, das heute ein Museum zur Künstlerfamilie um Bernhard Strigel und zum Antoniterorden beherbergt. Besonders beeindruckt waren wir auch von der ehemaligen Kirche des Kreuzherrenklosters mit feingliedrigem Wessobrunner Stuck, heute genutzt als Veranstaltungssaal.

Auch die besonderen Festtage der Stadt wurden lebendig erläutert, vor allem der alljährliche Fischertag und die Wallensteinfestspiele, die alle vier Jahre organisiert werden. Bei diesen in Europa einzigartigen Historienfestspielen wird während einer Woche von tausenden Laiendarstellern der Einzug des Oberbefehlshabers der kaiserlichen Truppen 1630 und das Lagerleben im Dreißigjährigen Krieg in Szene gesetzt (26.7.-2.8.2026).

Nach einem deftigen Mittagessen ging es von Bayern nach Baden-Württemberg mit dem Ziel der imposanten ehemaligen Reichsabtei der Benediktiner in Ochsenhausen. Das seinerzeit mächtige Kloster mit vielen Nebengebäuden und Ländereien bestand von 1090 bis zur Säkularisierung im Jahr 1803 und war ein wichtiger Stützpunkt der katholischen Gegenreformation. Die ursprünglich spätgotische, dann barockisierte Klosterkirche St. Georg erhielt eine elegante Westfassade sowie eine Zwiebelhaube für den Kirchturm. Besondere Bedeutung hat die von Joseph Gabler errichtete Orgel mit über 3000 Pfeifen und vier Manualen, ein barockes Gesamtkunstwerk.

Das weitläufige ehemalige Konventgebäude dient heute der „Landesakademie für die musizierende Jugend Baden-Württembergs“. Hier finden Chor- und Instrumentalkurse für Schulklassen und Vereine sowie Konzerte in der ehemaligen Bibliothek statt. Der Rundgang führte uns zunächst in die Prälatur, den prachtvollen Amtssitz des Abtes. Der schlossähnliche Ostflügel mit einer 110 Meter langen Front thront über der Stadt und verfügt über zahlreiche ehemalige Mönchszellen (heute für Übungsräume und zur Unterbringung der Gäste genutzt) sowie freskengeschmückte Prunk-Treppenhäuser. Im Südflügel konnten wir den opulenten Speisesaal (samt Orgel) und den klassizistischen Musiksaal bewundern.

Nach einer willkommenen Stärkung mit Kaffee und Kuchen in der Stadt Ochsenhausen führte uns der Bus nach einem kontrastreichen, informativen Tag wieder nach Hohenems zurück.

 

Edith Lutz

Team ALTER-nativ